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Mary Shelly und Ruth Bader Ginsburg.

Was haben die beiden gemeinsam? Wer beide kennt fragt sich das wohl. Und das ist verständlich.

Ich war seit langem wieder im Kino. Und dann gleich zweimal innerhalb einer Woche. Zwei Filme und damit zwei Begegnungen mit außergewöhnlichen Frauen, Kämpferinnen, die etwas ganz Besonderes geschaffen haben. Die eine, Mary Shelley, ein Meisterwerk über den Machbarkeitswahn. Der Roman um ein kreiertes Monster spinnt sich um Einsamkeit und Anderssein und wurde Vorbild für zahlreiche Geschichten und Filme.

Der anderen, Ruth Bader Ginsburg, gelingen Gesetzesänderungen, die die amerikanische Verfassung menschlicher machen.

Doch der Reihe nach. Wer sind, beziehungsweise waren diese hervorragenden Frauen?

Mary Shelley war Tochter einer Autorin, die sich für Frauenrechte einsetzte und eines Sozialphilosophen und Anarchisten. Da könnte gefolgert werden, einer schriftstellerischen Karriere stehen da Tür und Tor offen. Doch statt rotem Teppich lagen ihr nur Steine am Weg.

Mary Shelley wurde 1797 in London geboren. Ihre Mutter Mary Wollstonecraft verfasste Schriften zu Erziehung, Frauenbildung und Demokratie. Sie starb 11 Tage nach ihrer Geburt. Sie kannte sie also nicht und wird sich ziemlich sicher an ihrem Tod schuldig gefühlt haben. Ihr Vater, unterstützte sie, bestärkte sie jedoch nicht immer in Ihrem Sein. Sie wuchs mit ihrer Halbschwester und einer Stiefmutter auf, die einem Märchen der Gebrüder Grimm entsprungen sein könnte. Mit 16 ging sie mit ihrem späteren Ehemann ins Ausland, verlor ihr erstes Kind. Sie war durch diese Beziehung zu dem verheirateten Schriftsteller und selbstgefälligen Sonderling Außenseiterin.

Ihr bekanntestes Werk »Frankenstein oder Der moderne Prometheus« schrieb sie mit 19 Jahren. Die erste Auflage veröffentlicht sie 1818 noch anonym, da sie als Frau unter eigenem Namen schreibend keine Hoffnung auf Erfolg haben konnte.

 

Ruth Bader Ginsburg ist 85 und Richterin am Supreme Court, dem obersten Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten.

Die Dokumentation »RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit« von Julie Cohen und Betsy West ist komponiert wie ein Musikstück, mit sich immer wiederholenden Akkorden. Er lässt mich oft schmunzeln über eine Frau mit einem bezaubernden Lächeln, die ich nie laut auflachen sehe. Sie wirkt zurückhaltend und geht dabei zielstrebig ihren beruflichen Weg in einem männerdominierten Umfeld. Ohne Zorn und unabhängig, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat, setzt sie sich für Minderheiten und Gleichbehandlung ein. Sie ist seit 1993 Richterin am Supreme Court, dem obersten Verfassungsgericht der Vereinten Staaten.

 

Beide gehen ihren Weg, finden ihren ganz persönlichen Stil. Sie orientieren sich nicht am Zeitgeist, sondern sind über ihn hinaus denkend und wirkend. Bewundernswert und vorbildhaft.

 

(Meine Bildauswahl zeigt eine kleine Statue von Prometheus.

Prometheus ist ein Titan, also ein Gott aus der griechischen Mythologie, der »Vorausdenker«, wie sein Name übersetzt lautet. Er erschafft die Menschen, lehnt sich gegen Zeus, den Göttervater auf und gilt als Begründer der Zivilisation, da er den Menschen das Feuer bringt. Als Strafe wird er gefesselt.)