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Das Wässerchen trüben.

An einem Brunnen saß einst ein Jüngling. Er war versunken in sein Bildnis, welches sich spiegelte so klar im Wasser. Diesem zugewandt und gebannt davon, als wäre es das einer göttinnengleichen Maid verweilte er Stunde um Stunde. Mit den Fingerspitzen berührte er es zart, damit keine Welle es verzerren konnte. Er schlief nicht und aß nicht und war zufrieden, man möchte sagen mit sich, doch sagt man besser mit seinem Abbild.

Vorbeikommende schauten dieses Bild und waren gleichwohl verzaubert und verzückt. Den Jüngling sahen sie gar nicht.

Mit der Zeit rümpften sie die Nase, denn Gestank stieg aus dem Brunnen. Das Wasser war trüb und gelb. Ein Basilisk sitze unten am Grund, erzählten die Leute. Es sprach sich herum, dass der Anblick tödlich sei und der Schwefelruch atemraubend. Keiner wagte, das Übel zu bekämpfen.

Jahre zogen durch das Land und nicht eine Menschenseele getraute sich, den Kampf mit dem Drachengetier aufzunehmen.

Eine beherzte Alte, als Kurpfuscherin verschrien und doch eine umsichtige Heilerin mit scharfem Sinn, nahm sich der Sache an. Sie ersann eine List, die sogar Odysseus einen wohlwollenden Blick abzuringen vermochte. In der Tat ohnehin kaum vorstellbar, dass ihr dieser zur Ehre gereichte.

Sie hielt dem Unwesen den Spiegel vor und brauchte es selber nicht schauen. 

Ihre Hässlichkeit, die der Ausgeburt vor Augen gehalten wurde, war vernichtend. Die Bestie war am Boden zerstört.

Oben am Brunnen sass der Jüngling und betrachtete sein Abbild in der Wasseroberfläche.